Diplomarbeiten


1) Von der Volkswagenstiftung gefördertes Projekt zum Thema „Erkundung und Analyse aktueller Spracheinstellungen in Deutschland“

Ziel dieses Projekts ist es, durch die Anwendung interdisziplinärer Methoden ein umfassendes Bild der Meinungen und Gefühle der in Deutschland lebenden Bevölkerung gegenüber der deutschen Sprache und ihren Varietäten zu gewinnen. Dabei sind wir zum einen am Verhältnis der deutschen Sprache zu Weltsprachen wie Englisch und Französisch interessiert, zum anderen am innerdeutschen Verhältnis zwischen Hochdeutsch und regionalen Varietäten des Deutschen. Da die Bewertung des Sprachverhaltens immer mit den SprechInnen verbunden ist, sollen neben innersprachlichen Merkmalen v.a. stereotype Einstellungen gegenüber bestimmten Sprechergruppen erfasst werden. Im Rahmen dieses Projektes sind mehrere sozialpsychologische Experimente geplant. Mögliche Fragestellungen für eine Diplomarbeit könnten sein:

  • Wie wird die Verwendung von Fremdwörtern (z.B. Anglizismen) bewertet und wie wirkt sie sich auf die Wahrnehmung des/ der Sprecher/in aus?
  • Welche Einstellungen bestehen gegenüber Hochdeutsch und Dialekten sowie gegenüber ihren SprecherInnen?
  • Welchen Einfluss hat die Einstellung zum Deutschsein auf die Einstellung zur deutschen Sprache?
  • Welche Stereotype und Vorurteile existieren gegenüber SprecherInnen mit ausländischem Akzent?

Ansprechpartnerinnen: Stahlberg, Schöl


2) „Subjektive Erfahrungen als Basis von Entscheidungen und Urteilen“

Projekt im SFB 504: Rationalitätskonzepte, Entscheidungsverhalten und ökonomische Modellierung
Einfluss von Überraschung auf den Hindsight Bias
In diesem Teilprojekt geht es um die Frage, inwieweit sich das Gefühl der Überraschung auf den so genannten Hindsight Bias auswirkt. Der Hindsight Bias oder Knew-it-all-along-Effekt beschreibt das Phänomen, dass Personen oft nicht in der Lage sind, eigene Vorhersagen von Ereignissen korrekt zu erinnern, wenn sie zwischenzeitlich Informationen über die tatsächlichen Ereignisausgänge erhalten haben. In der Sozialpsychologie ist der Hindsight Bias dem großen Gebiet der Urteils- und Entscheidungsforschung zuzuordnen, in dem die Grenzen der Rationalität menschlichen Urteilens und Entscheidens eine wesentliche Rolle spielen. Das Gefühl der Überraschung könnte ein mögliche (meta-)kognitive Information sein, die die Stärke des Hindsight Bias Effektes moderiert. So können Personen, die nach Eintritt eines Ereignisses nach ihrer Vorhersage befragt werden, das Gefühl der Überraschung (das mit dem Eintritt des Ergebnisses verbunden ist) nutzen um die Distanz zwischen ihrer ursprüngliche Vorhersage (an die sie sich nicht mehr erinnern können) und dem Ereignis zu schätzen. Um zu verhindern, dass diese Effekte auf unterschiedliche Information zurückzuführen sind, wird die Überraschung in dieser und allen folgenden Experimalentalreihen so manipuliert, dass alle Versuchspersonen dieselbe Information erhalten, die für sie jedoch unterschiedlich überraschend ist.

Einfluss von Überraschung auf die Kompetenzzuschreibung in Personalauswahlsituationen

Im Kontext von Personalauswahl soll untersucht werden, inwieweit das Gefühl der Überraschung zur Bewertung der Bewerbenden genutzt wird. Dabei kann die Überraschung über die Leistung einer Person einerseits dazu anregen die Information zu dieser Person tiefer zu verarbeiten, andererseits kann die Überraschung auch als direkter Hinweis zur Leistungsbewertung genutzt wird. So könnte zum Beispiel ein überraschend positives Anschneiden einer Personen in einem AC zu einer intensiven Beschäftigung mit den Informationen über diese Personen führen. Andererseits könnte das Gefühl der Überraschung aber auch als Signal genutzt werden, dass man die Person eigentlich als weniger kompetent einschätzt. In diesem Teilprojekt soll untersucht werden, ob und wann diese beiden Prozesse stattfinden.

Einfluss von Überraschung auf Produkturteile

Analog zum oben dargestellten Teilprojekt „Personalauswahlsituationen“ sollen in diesem Teilprojekt untersucht werden, wann Überraschung direkt als Information über die eigenen Einschätzung eines Produktes verwendet wird bzw. wann sie zur weitergehenden Beschäftigung mit den Informationen über das Produkt führt.

Ansprechpartnerin: Stahlberg


3) "Die Konsequenzen des Hindsight Bias für die Bewertung vergangener und zukünftiger Entscheidungen" ("Ich-wußte-es-schon-immer"-Effekt)

Der Hindsight Bias oder Knew-it-all-along-Effekt beschreibt das Phänomen, dass Personen oft nicht in der Lage sind, eigene Vorhersagen von Ereignissen korrekt zu erinnern, wenn sie zwischenzeitlich Informationen über die tatsächlichen Ereignisausgänge erhalten haben. In der Sozialpsychologie ist der Hindsight Bias dem großen Gebiet der Urteils- und Entscheidungsforschung zuzuordnen, in dem die Grenzen der Rationalität menschlichen Urteilens und Entscheidens eine wesentliche Rolle spielen.

Themenbereich A:
Hindsight Bias im Principal-Agent Kontext
Untersuchung von Moderatorvariablen

  • persönliche Relevanz der Entscheidungen für die Vorgesetzten
  • Identifikation/Ähnlichkeit zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden
  • Erwartungen und Vorannahmen
  • Führungsstil


Themenbereich B:
Motivationale Erklärungen des Hindsight Bias

  • z.B. Variation der Stärke des Bias in Abhängigkeit der Ego-Relevanz des Ergebnisses


Ansprechpartnerin: Stahlberg


4) "Geschlechtsstereotype und die Attribution von Führungseigenschaften"

Themenbereich A:
"Think manager think male"? Die Umkehr des klassischen Untersuchungsdesigns

Themenbereich B:
Non-reaktive Erfassung der Effekte von Geschechtsrollenstereotypen durch die Analyse sprachlicher Unterschiede bei der Beschreibung erfolgreichen männlichen und weiblichen Führungsverhaltens (Forschungsparadigma zum Linguistic Intergroup Bias)

Themenbereich C:
Effekte der äußeren Erscheinung (Körpermerkmale, Stimme, Geruch)
Insbesondere Analyse der Reduktionsmöglichkeiten des Bias

Ansprechpartnerinnen: Stahlberg, Dickenberger

Themenbereich D:
Selbstimmunisierung von Geschlechtsstereotypen


Die Forschung im Bereich von Geschlechterstereotypen zeigt, dass Frauen typischerweise Eigenschaften zugeschrieben werden, wie soziale Kompetenz, die nicht zentral mit beruflichem Erfolg bzw. Führungspositionen assoziiert werden. Demgegenüber besteht der generelle Konsens über die Notwendigkeit typisch männlicher Eigenschaften, wie Durchsetzungsfähigkeit oder Zielstrebigkeit, für das Erreichen von Führungspositionen. Untersuchungen zeigen, dass auch sehr subtile Reize, die einem Geschlecht zugeordnet werden (z.B. Parfüm) für die Zuschreibung von Führungskompetenz herangezogen werden. Unter der Bezeichnung "Selbstimmunisierung" von Geschlechterstereotypen wird das Phänomen verstanden, dass eine typisch feminine Fähigkeit, die sich theoretisch als Bestandteil von Führungskompetenz erweisen kann, in ihrer Wichtigkeit abgewertet wird, um die Aufrechterhaltung des Stereotyps der "männlichen Führungskraft" zu gewährleisten. Die Arbeitsgruppe um Prof. Stahlberg beschäftigt sich insbesondere mit den theoretischen Grundlagen der Selbstimmunisierung von Geschlechtsstereotypen.

AnsprechpartnerInnen: Stahlberg, Reinhard

Themenbereich E:
Selbstwert und Soziale Identität


Die Forschung über das Zusammenspiel von Selbstwert und sozialer Identität besitzt eine lange Tradition in der Sozialpsychologie. Während sich der individuelle Selbstwert auf ideosynkratische Eigenschaften und Leistungen der Person bezieht, ergibt sich die soziale Identität aus der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen (z.B. Deutsche, Bayern-Fans) und deren Abschneiden im Vergleich zu Fremdgruppen. Menschen versuchen im allgemeinen ihren Selbstwert zu steigern, indem sie ihre eigene soziale Gruppe hinsichtlich wichtiger Eigenschaften auf- und andere Fremdgruppen demgegenüber abwerten. Erfolg oder Misserfolg der eigenen sozialen Gruppe ist entscheidend für Erhöhung oder Verminderung des eigenen Selbstwertes. Ein ebenfalls in der Sozialpsychologie bekanntes Phänomen ist das "Basking in reflected glory". Hierbei "sonnen" sich Personen beispielsweise im Erfolg eines bestimmten Sportvereins, indem sie im Erfolg Zeichen des Vereins tragen und für andere Personen ihre Verbindung zum erfolgreichen Verein offen darstellen. Bei Misserfolg hingegen wenden sie sich ab (wir haben gewonnen - sie haben verloren). Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der oben beschriebenen Phänomene insbesondere im Bereich der Identifikation mit der eigenen Nation.

Ansprechpartner: Reinhard


5) Karrieremotivation und familiale Orientierung von Frauen und Männern


Ansprechpartnerin: Dickenberger


6) Markt- und Werbepsychologie

Die markt- und werbepsychologische Forschung hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen und ist gekennzeichnet durch ein Zusammenspiel wirtschaftswissenschaftlicher Grundlagen und psychologischer Prinzipien. Grundlage für das Feld der "Psychologie des Überzeugens" bilden hierbei sowohl motivationale als auch kognitive Theorien der Psychologie. Eine Zusammenfassung verschiedenster Strategien und möglicher theoretischer Erklärungen findet sich bei Cialdini (2002). Allgemein beschäftigt sich die Arbeitgruppe mit der Verwendung bestimmter Strategien im Werbekontext und deren theoretischer Erklärung. Insbesondere werden die Wirkung von Attraktivität und Sympathie, als saliente Kommunikatoreigenschaften, in Kombination mit verschiedenen Persuasionsstrategien, auf ihre Effektivität hinsichtlich Einstellungs- und Verhaltensänderung untersucht.

Ansprechpartner: Reinhard


7) Glaubwürdigkeit und Lüge


Dieser Forschungsbereich befasst sich insbesondere mit der Fragestellung, inwiefern sich "naive" (ungeschulte) Urteiler von Experten hinsichtlich der Beurteilung, ob eine Aussage der Wahrheit entspricht oder gelogen ist, unterscheiden. Demzufolge wird im Bereich der Glaubwürdigkeitsforschung überprüft, welche potentiellen Begleiterscheinungen von wahren und falschen Aussagen, Laien für ein Urteil heranziehen und in welchem Zusammenhang diese Merkmale mit empirisch ermittelten tatsächlichen Korrelaten von wahren und falschen Aussagen stehen. Dabei werden verschiedene Urteilsdimensionen unterschieden, unter anderem inhaltliche Merkmale einer Aussage oder nonverbales Verhalten einer Quelle, die für ein Glaubwürdigkeitsurteil als Indikatoren für Wahrheit oder Lüge verwendet werden können. Verschiedenste Forschungsdisziplinen innerhalb des Bereichs der Sozialpsychologie liefern hierbei den theoretischen Rahmen. Themenschwerpunkt bildet insbesondere die Untersuchung bestimmter Alltagsvorstellungen über inhaltliche Kennzeichen von Lügen. Des weiteren bilden allgemeine Modelle der Informationsverarbeitung, wie z.B. das "Heuristic-Systematic-Model" und das "Elaboration-Likelihood-Model", den theoretischen Rahmen zur Erklärung des Prozesses der Glaubwürdigkeitsbeurteilung im Alltag.

Ansprechpartner: Reinhard